Die Freiwillige Feuerwehr Erlenbach a. Main feierte am 13. und 14. Juni 2026 ihr 125-jähriges Bestehen. Als Höhepunkt fand am Sonntag der Kreisfeuerwehrtag statt, bei dem zahlreiche Feuerwehren aus dem Landkreis ihre Neuheiten zeigten sowie sich weitere Organisationen aus dem Bereich der Gefahrenabwehr präsentierten. Zahlreiche interessierte Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich über die Arbeit der verschiedenen Einsatzkräfte zu informieren und moderne Technik aus nächster Nähe zu bestaunen.
Als Auftakt zum Jubiläumswochenende bildete am Samstagabend eine Sternfahrt, bei der sich über 40 Einsatzfahrzeuge beteiligten.
Menschen im Mittelpunkt
Der Sonntag begann um 10:00 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst im Feuerwehrhaus, gemeinsam gestaltet von dem Pastoralreferenten Johannes Kirchgeßner vom katholischen Militärpfarramt Walldürn, Diakonin Anke Himmel von der evangelischen Gemeinde und Gottesdienstbeauftragter Rudi Großmann von der katholischen Gemeinde.
Als Ehrengäste waren Bayerns Innenminister Joachim Herrmann als Schirmherr des Jubiläumsfestes, Bundestagsabgeordneter Alexander Hofmann, Landtagsabgeordneter Martin Stock, Landrat Björn Bartels, Altlandrat Jens Marco Scherf sowie mehrere Bürgermeister aus dem Landkreis erschienen.
Diakonin Himmel betonte, dass eine Feuerwehr nicht nur von Feuerwehrfahrzeugen lebt, sondern von Menschen, von Vertrauen, von Gemeinschaft und von der Bereitschaft, für andere da zu sein. Im Mittelpunkt der Feuerwehren stünden die Menschen, die immer helfen, wo andere lieber wegsehen. Rudi Großmann erinnerte daran, dass sich auch bei der Feuerwehr viel verändert habe und früher mit dem Horn, mit der Glocke und der Sirene zum Einsatz gerufen wurde. Pastoralreferent Johannes Kirchgeßner trug die Lesung aus dem Matthäus-Evangelium vor. Der zentrale Gedanke in der Predigt von Diakonin Anke Himmel gründete auf Basis von der Aussage von Erlenbachs Kommandanten Carsten Breunig: „Wir gehen zusammen rein und wir gehen zusammen wieder raus.“ Gesellschaft lebe davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen. Deshalb sei die Feuerwehr mehr als ein Verein mit Fahrzeugen und Mitgliedern. Sie sei ein Ort, an dem Menschen zeigen, dass niemand allein ist. Traurig sei es, dass Einsatzkräfte häufig beleidigt und angegriffen werden.
Im Rahmen des Gottesdienstes wurden vier Fahrzeuge und Einsatzmittel gesegnet, darunter ein Kommandowagen der Ölwehr Bayern, ein Gerätewagen Logistik sowie ein WC-Anhänger des Landkreises Miltenberg. Auch ein Waldbrand-Tanklöschfahrzeug der Stadt Wörth erhielt den kirchlichen Segen. Die Fahrzeuge kommen sowohl im Katastrophenschutz als auch bei speziellen Einsatzlagen wie der Waldbrandbekämpfung zum Einsatz.
Respekt und Anerkennung
In seinem Grußwort würdigte Herrmann das Engagement der Erlenbacher Feuerwehr. Er betonte, dass alle Sicherheitsorganisationen wie Polizei, Bundeswehr, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk zusammenarbeiten müssen, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Seit 125 Jahren stehe die Feuerwehr Erlenbach den Bürgern fachkundig, effektiv und mutig in Notlagen zur Seite.
Ob bei der Brandbekämpfung oder bei zunehmend komplexen technischen Hilfeleistungen, die Einsatzkräfte erfüllten ihre verantwortungsvollen Aufgaben vorbildlich und oftmals unter Einsatz des eigenen Wohlergehens. Dies verdiene höchsten Respekt und große Anerkennung. Herrmann wünschte den Feuerwehrleuten, dass sie ihren starken Zusammenhalt bewahren und stets wohlbehalten von ihren Einsätzen zurückkehren.
Landrat Björn Bartels bedankte sich für Einsatzbereitschaft und für Verlässlichkeit des gelebten Ehrenamts und überreichte der Wehr die Ehrenurkunde des Landkreises.
Auch Erlenbachs Bürgermeister Christoph Becker lobte das Engagement. Er hatte das Goldene Buch der Stadt mitgebracht, in das sich alle Ehrengäste eintrugen. Beim anschließenden Frühschoppen sorgte der Musikverein Erlenbach für Stimmung.
Kreisfeuerwehrtag
Zum Kreisfeuerwehrtag hatte die Kreisbrandinspektion gemeinsam mit dem Kreisfeuerwehrverband Miltenberg eine umfangreiche Blaulichtmeile aufgebaut. Zahlreiche Feuerwehren aus dem Landkreis präsentierten hier ihre Fahrzeuge und Spezialausrüstung.
Am Feuerwehrhaus in Erlenbach und auf dem Parkplatz vor dem Hermann-Staudinger-Gymnasium und der Barbarossa Mittelschule erwartete die Besucherinnen und Besucher ein vielseitiges Programm rund um Feuerwehr, Sicherheit und Gemeinschaft.
Neben vielen Feuerwehren des Landkreises präsentierten sich auch weitere BOS-Organisationen sowie Polizei, Wasserschutzpolizei, Bergwacht, THW Obernburg und Miltenberg, Rotes Kreuz, Wasserwacht und Bundeswehr mit dem Leopard II Panzer. Auf der Blaulichtmeile konnten Einsatzfahrzeuge, Technik und Ausrüstung der Feuerwehren aus Elsenfeld, Niedernberg, Miltenberg, Roßbach, Schneeberg, Obernburg, Eisenbach und der Werkfeuerwehr ICO aus nächster Nähe erlebt werden.
Am Infostand der Kreisfeuerwehrjugend und der Kreisfeuerwehrfrauen informierte Kreisfeuerwehrärztin, Dr. Jutta Weimer mit Kurzvorträgen zu „Schwangerschaft und Stillzeit bei der Feuerwehr“. Die Feuerwehr Eichenbühl war mit ihrer Drohne vertreten und die Höhenretter des Landkreises mit Standort in Großheubach zeigten mit einigen Vorführungen ihr Aufgabenspektrum.
Auch einige Firmen waren dem Aufruf gefolgt und zeigten an ihren Ständen ihr Sortiment an Einsatzmaterialien.
Ein besonderes Highlight am Nachmittag war der RedPull-Wettbewerb, bei dem das Erlenbacher Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25) von 14 teilnehmenden Teams, bestehend aus 8 Personen bzw. 8 männlichen plus 1 weiblichen Person, per Hand über eine Strecke von 50 Metern auf Zeit gezogen werden musste. Hier waren Kraft, Teamgeist und Ausdauer gefragt. Spannung und Unterhaltung für Teilnehmer und Zuschauer sind garantiert. Mit 26,20 Sekunden gewann die Feuerwehr Elsenfeld vor den Erlenbach Kickers 3 mit 27,80 Sekunden und Promille Schwind mit 28,00 Sekunden. Den „undankbaren“ 4. Platz erreichte die Kreisbrandinspektion Miltenberg mit 28,10 Sekunden.
125 Jahre Freiwillige Feuerwehr Erlenbach
Die Freiwillige Feuerwehr Erlenbach wurde am 19. Mai 1901 gegründet. Ein wichtiger Meilenstein der jüngeren Geschichte war die Fusion der Feuerwehren Erlenbach-Ort und Erlenbach-Glanzstoffsiedlung im Jahr 2007 sowie die Einweihung des heutigen Feuerwehrhauses. Seitdem wurde die Wehr kontinuierlich modernisiert, unter anderem durch neue Spezialfahrzeuge, die Verbunddrehleiter (2022) sowie die Übernahme von Sonderaufgaben im Landkreis mit der Messleitkomponente und der Drohnengruppe. Mit der Gründung der Kinderfeuerwehr 2019 wurde zudem die Nachwuchsarbeit gestärkt. Heute zählt der Feuerwehrverein 242 Mitglieder. An der Spitze stehen Erster Kommandant Carsten Breunig und sein Stellvertreter Klaus Elbert, den Feuerwehrverein führen Vorsitzender Michael Karl und sein Stellvertreter Simon Waigand. Neben dem Einsatzdienst prägt die Feuerwehr mit ihrem Musikkorps und zahlreichen Veranstaltungen das gesellschaftliche Leben in Erlenbach.
















